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Zuhören – aber auf Afrikanisch

Haus Afrika startete in Kohlhof ein Projekt gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit

Erschienen: 21.05.2003 / Saarbrücker Zeitung
Ressort: Lokales

Kohlhof (nig). ,,Es gab ein Dorf im Kongo, da wohnte ein Junge. Und da gab es noch einen Löwen, einen Riesenlöwen. Löwe ist ein liebes Tier, oder?“ Katherina, Moritz und die andern nicken, stutzten, gucken sich verdutzt an, dann hallt ein ,,nein, der ist böse“ hinter der Kirche über die Wiese. Genau. Weshalb eben jener Leu schon fast die halbe Dorfgemeinschaft aufgefressen hat. Zu dieser Feststellung fliegen die Hände des dunkelhäutigen Mannes über die Trommel und er erzählt weiter. So hat der Junge endlich vom Löwenterror ,,die Nase voll“ und will das Untier zur Strecke bringen.

Und es duftet nach Yassa

An der Stelle verlieren Leon und Daniel den Faden und tauschen sich angeregt über Jungenangelegenheiten aus. ,,I sa ponge“ (ausgesprochen: ,,bunge“) ruft Dédé Mazietele unvermittelt. Während dem gerade dazu kommenden Gast vor Schreck fast das Herz stehen bleibt, wiederholen die Jungen und Mädchen in perfektem Lingala ,,pon-ge“ – so als ob das das Selbstverständlichste der Welt wäre. Und sind mit einem Schlag wieder alle 50 Kinder richtig bei der Sache.

Erst seit einer Stunde hier in in den Räumlichkeiten der katholischen Kirche, fühlen sich die Schüler der ersten bis vierten Klasse der Grundschule Kohlhof schon wie halbe Afrikaner. Ein afrikanisches Lied können sie schon singen und ehe sie abends nach Hause gehen, wird sich jeder von ihnen an den Trommeln versucht haben. Aus der Küche strömt derweil der Duft von Blechen voller Yassa – einem senegalesischen Nationalgericht aus Hähnchenschenkeln in Zitrone und Senf. Dazu tischt Marie Pontiche später ein paar Kilo feinen, weißen Basmatireis auf. ,,Lernen wir uns besser kennen“ spricht alle Sinne an. Das Projekt des Saarbrücker Vereins Haus Afrika zielt darauf ab, Toleranz und interkulturelle Kommunikation bei Kindern zu fördern. ,,Wir bieten verschiedene Aktivitäten für Kinder und Jugendliche an, um Ausländerfeindlichkeit vorzubeugen“, berichtet der Vorsitzende Lamine Conté.

Mit den Sechs- bis Elfjährigen wird gesungen, getanzt, gespielt und über Afrika geredet. Klartext, versteht sich. ,,Wenn ich zu Hause Lust auf Mangos habe, gehe ich in den Urwald und hole mir welche“, schilderte Mazietele seinen staunenden Zuhörern. ,,Was meint ihr, warum müssen trotz vielen gesunden Früchten, die bei uns wachsen, so viele Kinder in Afrika sterben?“ Die Rede kommt auf den Bürgerkrieg, mangelnde Hygiene und Trinkwasserqualität, auch auf wirtschaftliche Fragen. ,,Stellt euch vor, ich hole allen Kakao zusammen, und es kommt nichts mehr aus Afrika nach Europa.“ die Kinder schlucken – keine Kakaomilch mehr zum Frühstück, keine Schokolade mehr zum Naschen…

Bei ,,Lernen wir uns besser kennen“ ist der Name Programm. Wobei der Verein in großen Zeiträumen denkt. Das Projekt selbst läuft in Kohlhof dank der Sponsoren Landes- und Kreisjugendamt sowie der katholischen Kirche Kohlhof bis November. Mindestens einmal im Monat treffen sich die Gruppen. ,,Zum Schluss sollen die Teilnehmer wirklich etwas über Afrika gelernt haben. Die Kultur zum Beispiel und wie die Menschen da leben“, formuliert der aus Guinea stammende Vorsitzende das gemeinsame Ziel.

Bisher war der Verein mehr auf Saarbrücken fixiert: ,,Wir wollen jetzt stärker nach außen gehen.“ AG-Leiter Mohammed Maiga weist darauf hin, wie wichtig es ist, bei den Kindern mit Aufklärung anzufangen – je früher, desto besser. ,,Damit es später für sie überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen den Nationalitäten gibt.“

Schon früher Kindergartenprojekt

Bei den Kindern rannte der Verein jedenfalls offene Türen ein. ,,Wir hatten schon mal vor Jahren ein ähnliches Projekt im Kindergarten“, erinnert sich Belinda Diagne, die Organisatorin vor Ort. ,,Diejenigen, die das miterlebt haben, waren sofort Feuer und Flamme.“ Und müssen auch ihren Freunden tüchtig vorgeschwärmt haben, sonst wären nicht alle Klassen fast komplett versammelt. Mit dem schon in Fleisch und Blut übergegangenen Satz ,,I sa ponge“ wird der eine oder andere Lehrer der Grundschule künftig sicher öfters zu tun haben. Was nicht das Schlimmste wäre. Bedeutet diese Redewendung doch: ,,Ich höre zu“.

&routv;Mehr zum Projekt unter Tel.(0681) 9456416 oder www.hausafrika.de.vu .

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